Beschreibung

Haaaaaaaaaaalloho! :o) Hier kommt ein kleines Video mit Tipps für Gedichtinterpretationen. Ein selbstgeschriebenes Gedicht und die zugehörige Analyse inklusive. Verlust Im Wasser wogen Wellen. Ich richte den Blick auf die tosende Flut, seh Glitzerfischlein schnellen. Das Meer, es nahm mir mein Fleisch und mein Blut. Z.1: _*_*_*_ Z.2: _*_ _*_ _ * _ _ * Z.3: _*_*_*_ Z.4: _* Z.5: _*_ _*_ _* Das 2013 verfasste Gedicht „Verlust" von Trixi Berry handelt von einer Mutter, die trauernd am Meer steht, wehmütig in die Fluten blickt und versucht, den Tod ihres Kindes zu verarbeiten, das im Wasser ertrunken ist. Zunächst betrachtet sie nur die „wogenden Wellen" (Z. 1), doch schon kurz darauf erscheinen sie ihr wie eine „tosende Flut" (Z. 2), was die steigende Verzweiflung der Mutter zum Ausdruck bringt. Doch sie kämpft um Contenance, bemüht sich weiterhin, die Schönheit des Meeres und nicht nur seine Grausamkeit zu sehen, indem sie sich auf das friedliche Schnellen der „Glitzerfischlein" (Z. 3) konzentriert. In diesem Moment verliert sie jedoch jegliche Kraft und merkt, dass sie dem Meer den Verlust ihres Kindes niemals verzeihen kann. Es hat ihr ihr eigenes „Fleisch und [...] Blut" (Z. 4) genommen, weswegen ihr Hass auf die Fluten siegt und Wut ihren letzten Gedanken erfüllt. Trixi Berrys Gedicht „Verlust" behandelt also den Versuch einer Mutter, dem Meer das Ertrinken ihres Kindes zu verzeihen. Wie die Wellen des Meeres schwanken ihre Gefühle. Zunächst erkennt sie den beruhigenden Rhythmus der wogenden Wellen (Z. 1), was auch durch die Alliteration „Wasser wogen Wellen" und das jambische Versmaß unterstrichen wird. Die Wellen folgen einer freundlichen Auf-und-Ab-Melodie. Doch aufgrund ihres schweren Schicksals kippt ihre Stimmung in diesem Moment und ihrem Blick offenbar sich „die tosende Flut" (Z.2), die ihr Kind mit Haut und Haaren verschlungen hat. Mit ihren Gefühlen bricht auch das Metrum. Aus dem Jambus wird ein Daktylus. Die vorher symmetrische Melodie der Worte wird nun asymmetrisch (zwei fallende Silben auf eine steigende), das Meer ist nicht mehr rhythmisch, sondern zerstörerisch. Zudem liest sich die Zeile im Stil des Daktylus schneller, was auf eine Pulserhöhung der Mutter hinweisen könnte. Doch es gelingt ihr, sich wieder zu beruhigen. Das Versmaß wird in Zeile 3 erneut jambisch, statt tosende Fluten stehen nun schillernde Fischlein im Fokus. Das Wort „Glitzerfischlein" stellt einen Neologismus dar, zudem steht es im Diminutiv. Die Mutter erfindet neue Namen, verniedlicht die Fische, um sich dazu zu zwingen, etwas Magisches und Friedliches in ihnen zu sehen. „Wie kann das Meer grausam sein, wenn so freundliche, glitzernde Fische darin schnellen", scheint sie sich zu fragen, aber die Idylle wärt nicht lange. Eine zweite Woge der Verzweiflung führt der trauernden Mutter vor Augen, dass das Meer für sie seine Schönheit verloren hat. „Das Meer", heißt es in Zeile 4 nur. Losgelöst von Regeln der Metrik oder dem a-b-a-b-Reimschema, schlägt „das Meer" eine Kerbe in den Fluss des Gedichts wie es auch eine Kerbe in das Leben der Mutter geschlagen hat. Das einzige, was für sie zählt, ist, dass das Wasser ihr Kind verschlungen hat: „Es nahm mir mein Fleisch und mein Blut" (Z. 5). Dort liegt wieder ein Daktylus vor, allerdings ist die Zeile verkürzt. Die Trauernde hat ihre Geduld verloren. Wie das Meer möchte sie keinem Rhythmus mehr folgen. Sie hält es nicht mehr aus, noch länger am Strand zu verweilen, will keine weiteren Worte an die Fluten verschwenden und bricht ihren Gedanken vorzeitig ab. Der Titel des Gedichtes ist „Verlust" und nicht „Vergebung", sie ist am Ende ihrer Kraft. Der Kampf der Mutter mit dem Meer zeigt sich außerdem in den Satzanfängen der Zeilen 2 und 4. Beide Sätze beginnen mit einem Subjekt, einmal ist es „Ich" und einmal „Das Meer". Die Mutter bietet ihrem größten Feind die Stirn, versucht sogar, zu verstehen und zu verzeihen, was er ihr angetan hat. Am Schluss stellt sie jedoch fest, dass sie es nicht kann und nie können wird. In den wogenden Wellen mögen Glitzerfischlein schnellen (Z.1, Z.3), aber die tosende Flut hat ihr ihr Fleisch und Blut genommen (Z. 2, Z.3f.) und das wird sie dem Wasser niemals vergeben.