Epische Texte einfach interpretieren und analysieren


 

Bei der Analyse oder Interpretation epischer Texte sollst du Teile vom Text interpre-tieren, analysieren und in Verbindung mit dem Gesamtwerk betrachten. Wichtig ist, dass du den gesamten Text liest bevor du die Analyse machst. 

 

Einleitung (Titel, Autor, Jahr, Epoche, Textgattung)

Bei der Einleitung der Interpretation eines (epischen) Textes solltest du folgendes beachten:

  • Fasse den Inhalt des Textes kurz zusammen (à Inhaltsangabe)
    • Inhalt und Thema
  • Titel des Prosatextes
  • Autor des Prosatextes
  • Erscheinungsjahr
  • Literaturepoche
  • Textgattung

 

Hauptteil

Der Hauptteil einer Textanalyse analysiert und stellt die Interpretation des Prosa-textes dar oder auch die Kurzgeschichten Analyse. Wichtig dabei sind die Inhalte und der Aufbau. 

 

Inhalt

Analysiere die Kurzgeschichte und Interpretiere den Text: 

  • Was sagt der Text aus?
  • Was ist das Thema?
  • Welche Handlung wird erklärt?
  • Wo findest die Handlung statt? 
  • Wer ist beteiligt?
    • Welche Figuren gibt es?
    • Wie sind die Figuren miteinander verbunden?
  • Gibt es eine Verbindung zwischen Text und Titel?

 

Analyse der äußeren Form

Beachte die Struktur unter den Aspekten: 

 

Aufbau

Erkläre den Textaufbau:

  • Wie wird der Anfang und das Ende beschrieben?
  • Gibt es einen Wendepunkt? 
    • Haben die Wendepunkte Auswirkungen auf das Geschehen?
  • Wie ist die Spannung verteilt?

 

Autor vs. Erzähler

  • Gibt es überhaupt einen Erzähler im Text? 
    • Kommentiert der Erzähler das Geschehen? 

 

Ich-Erzähler vs. Er/Sie-Erzähler

  • Welche Erzählweise verwendet der Autor? 

Der Erzähler beschreibt die Geschichte und ist eine Art Sprecher des Textes. 

 

Ich- Erzähler: 

  • die Geschichte wird vom Erzähler selbst erlebt
  • die Sicht aus einer Person 
    • Wissen, Emotionen werden dem Leser vermittelt
  • Unterscheidung!
    • Erlebende Ich:
      • Erzählt direkt aus einer Situation
      • Beschränkte Sicht
    • Erzählende Ich:
      • Erzählt später die Handlung oder Situation
      • Übergreifende Sich 

Beispiel: Ich fühle mich heute nicht gut. Vermutlich, weil die ganze Nacht wach gelegen bin.

 

Er/ Sie- Erzähler: 

  • Die Geschichte (Erlebnisse anderer) wird von einer dritten Person er-zählt
    • Der Erzähler hat keinen Einfluss auf die Erlebnisse, den Cha-rakter oder das Leben der Figur

Beispiel: Er hat so viel um die Ohren. Er kann kaum schlafen. Sein Telefon klingelt durchgehend; sogar am Wochenende. 

 

Auktoriales, personales und neutrales Erzählverhalten

 

Auktoriales Erzählverhalten

  • Allwissend
  • Der Erzähler weiß ich die gesamte Handlung und die Personen Bescheid
  • Gibt Kommentare und Urteile
  • Der Leser bekommt vom Informationen zum aktuellen und zukünftigen Geschehen 

Beispiel: Peter kam viel zu spät und war sauer, er wusste nicht was für Konsequenzen das haben wird.

 

Personales Erzählverhalten:

  • Der Erzähler beschreibt die Handlung aus der Sicht einer Figur
  • Hat keinen Überblick über das Geschehen
  • Die Handlung geschieht durch die Sicht von einer Figur.

Beispiel: Peter sah noch kurz auf sein Handy. Oh je, noch eine Beschwerdemail.

 

Neutrales Erzählverhalten:

  • Die Handlung wird vollständig objektiv und neutral beschrieben
  • Die Leser nehmen den neutralen Erzähler nicht ganz wahr, da er eher die Situation wiedergibt und nicht beschreibt
  • Da dieser Erzähler neutral ist, hat er auch keinen Überblick au das gesamte Geschehen

Beispiel: Peter arbeitet im Büro. Heute geht in seiner Mittagspause in ein italienisches Restaurant. 

 

Der auktoriale Erzähler

  • ist in der Handlung anwesend und allwissend
  • kann dabei in die Vergangenheit aber auch in die Zukunft sehen
  • kommentiert und wertet
  • kennt die Gefühle aller Figuren und weiß mehr als die handelnden Figuren in der Geschichte

Beispiel: Peter sprach freudig über seine traumhafte Beziehung und wusste zu der Zeit noch nicht, dass seine Freundin eine neue Liebe gefunden hatte. Er fragte sich, ob er ihr einen Heiratsantrag machen sollte. Die Freundin ahnte nichts davon.

 

Der personale Erzähler

  • weiß nicht alles und kommentiert das Geschehen nicht
  • erzählt die Geschichte aus der Perspektive einer oder mehrerer Personen
  • benutzt die Er/Sie-Form oder den Namen der Figur
  • Er sah seine Mama und wusste, dass sie ihm viel bedeutet. Er rannte voller Freude zu ihr und hoffte auf eine Versöhnung. Die Mutter schaute glücklich.

 

Der neutrale Erzähler

  • stellt das Geschehen neutral dar
  • wertet und kommentiert nicht
  • kommt bei der Wiedergabe von Dialogen vor, da hier nur das Gesagte wiedergegeben wird ohne es zu deuten.

Beispiel: "Ich liebe dich", flüsterte sie. "Ich dich auch", erwiderte er ihr.

 

Der Ich-Erzähler

  • schreibt in der Ich-Form
  • Man unterscheidet zwischen erlebendes und erzählendes Ich.
  • Das erzählende Ich kann eine Geschichte rückwirkend erzählen und weiß somit im Nachhinein überalles Bescheid (wie auktorialer Erzähler).
  • Das personale Ich erlebt die Geschichte selbst und kann somit nur wissen, was es in dem Moment erlebt oder erinnert.

Beispiel:

  • Erzählendes Ich: Ich wusste, dass ihn das Thema beschäftigt, weil er immer wieder davon sprach. Er war sehr unruhig zu dieser Zeit und konnte kaum schlafen.
  • Personale Ich: Ich weiß gar nicht, was ich machen soll? Ich sitze vor diesem Mathe Problem seit Stunden und kann es nicht lösen. Meine Mama kann mir auch nicht helfen.

 

Erzählerrede und Figurenrede

Die Erzählrede ist die Möglichkeit, auf welche Art und Weise der Erzähler die Geschichte übermitteln kann. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

 

Bericht = zeitlicher Ablauf:

  • Die Geschichte wird als Zeitraffung wiedergegeben
    • Kurz und knapp.
    • Auf die Informationen zwischen den Handlungen wird nicht eingegangen.

 

Darstellung des Szenarios: 

  • Die Handlung wird genau erklärt
  • Gilt als Figurenrede
  • Gespräche werden direkter beschrieben

 

Beschreibung:

  • Handlungen und Personen werden durch eine Zeitpause genauer be-schreiben
  • Der Leser kann damit die Situation besser verstehen

 

Kommentar, Erörterung:  

  • Der Erzähler nimmt Stellung zu den Handlungen
  • Der Erzähler pausiert in seiner Erzählung um die Handlungen zu bes-ser zu formulieren

Die Figurenrede ist die Möglichkeit, auf welche Art und Weise der Erzähler die Gedanken und das Gesprochene einer Figur übermitteln kann. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

 

Redebericht / Gedankenbericht

  • Das Gesprochene oder die Gedanken werden vom Erzähler sehr kurz beschrieben

 

Innerer Monolog/ Bewusstseinsstrom

  • Der innere Monolog beschreibt die Gedanken (Selbstgespräch) einer Figur
  • Die Figur ist im Vordergrund der Handlung und der Erzähler tritt in den Hintergrund
  • Die Bewusstseinsströme, sind kurz eingeschobene Gefühle oder Ge-danken einer Figur 

 

Direkte Rede

  • Gibt die Aussagen einer Figur direkt wieder
  • Figur tritt somit in den Vordergrund der Handlung 
  • Merkmal sind Zeichensätze, die eine direkte Rede braucht (Anfüh-rungszeichen, Frage- oder Ausrufezeichen)
  • Beschreibt den Dialog zwischen den Figuren 

 

Indirekte Rede

  • Kurze Beschreibung was eine Figur denkt oder sagt
  • Der Erzähler tritt in den Vordergrund, da er als Vermittler zwischen Fi-gur und Leser dient.
  • Die indirekte Rede wirkt eher beschreibend
  • Merkmal ist der Nebensatz mit „dass“

 

Erlebte Rede

  • Ist eine Erzählform zwischen der indirekten und direkten Rede
  • Die Sicht aus der 3. Person wird oft in der Vergangenheit erläutert
  • Das Innenleben einer Figur wird durch den Erzähler dargestellt

 

Figuren, Charakterisierung

  • Wie sind die Charaktere der Personen? Wie werden sie beschrieben?
  • Wie verhalten sich die Figuren zueinander?

 

Innen- und Außenperspektive

Die Innensicht beschreibt, dass der Erzähler das Innenleben der Figuren mit sämtli-chen Emotionen und Gedanken.

Die Außenperspektive beschreibt, dass der Erzähler die Figur allgemein von außen beschreibt ohne das Innenerleben der Figur zu beachten. 

 

Erzählzeit vs. Erzählte Zeit 

Es wird berücksichtigt:

  • die Erzählzeit: Zeit, die etwa beim Vorlesen benötigt wird
  • die erzählte Zeit: Zeit, die in Wirklichkeit während der Handlung vergeht

Folgende drei Zeiteinteilungen gibt es:

 

1. Zeitraffung: Erzählzeit < erzählte Zeit

  • Die Erzählung ist wesentlich kürzer als die Handlung tatsächlich gedauert hat. Das Geschehen wird sehr kurz und knapp zusammengefasst. Es werden mehrere Stunden, Tage, Monate oder Jahre kurz wiedergegeben. Zum Beispiel wird eine Geburtstagsparty, die in Wirklichkeit 6 Stunden gedauert hat, in 3 Sätzen abgehandelt.
  • Die Zeitraffung ist eine Beschleunigung.

 

2. Zeitdeckung: Erzählzeit = erzählte Zeit

  • Die Zeit, die in Wirklichkeit für eine Handlung gebraucht wurde, ist in etwa mit der Zeit, die zum Vorlesen benötigt wird, gleichzusetzen. Der Erzähler erzählt die wesentlichen Schritte in der Handlung. Er macht keine großen Sprünge innerhalb der Zeiten
  • Dauert das Vorlesen, beispielsweise einer Textstelle bei der eine Frau sich schminkt, ähnlich lange wie die Zeit, die in Wirklichkeit für das Schminken benötigt wird, so spricht man von einer Zeitdeckung.

 

3. Zeitdehnung: Erzählzeit > erzählte Zeit

  • Die Handlungs- oder Bewegungsabläufe werden hier sehr detailliert, ermü-dend und ausführlich erzählt. Das Aufmachen einer Türe wird länger beschrieben und erzählt als es in Wirklichkeit gedauert hat.

Beispiel: Er fasste an die Türklinke, die mit einer goldenen Farbe verziert war. Er bewegte sich sehr langsam. Seine Hände spürten die kalte Türklinke. Er war nun bereit sie zu öffnen…

 

Handlungsstränge. Höhepunkte, Wendungen 

 

Handlungsstränge:

In Büchern oder Texten gibt es mehrere Handlungen oder Nebengeschichten. Diese beschrieben die unterschiedlichen Perspektiven. Die verschiedenen Handlungssträn-ge ergeben dann die Gesamtgeschichte und später ein Ende für die alle Handlungen.  

 

Höhepunkt:

Der Höhepunkt beschreibt den spannendsten Teil der Geschichte oder zeigt es auf der Bühne. Die Konflikte der Geschichte haben hier ihren Höhepunkt. Meistens folgt nach dem Höhepunkt das Ende (oder offenes Ende) der Geschichte. 

 

Wendungen: 

Wendungen liefern dem Leser eine Überraschung indem die bisherige Geschichte eine andere neue Ordnung der Sachverhalte. Die Geschichte nimmt eine Wendung und die Sicht des Lesers auf die Handlung oder Figuren wird somit geändert.

 

Gestaltung des Raums und der Zeit

  • Wie beschreibt der Autor den Ort und den Raum der Handlung?
  • Welche Details beschreibt er und warum?

 

Analyse der Sprache

Die Sprache bei einer Textanalyse spielt für die Interpretation eine große Rolle. Hier sollte folgendes analysiert werden:

  • Wirkung der Sprache
  • Ist die Sprache eher modern oder altmodisch
  • Welche Stilmittel wurden verwendet und warum
  • Auffälligkeiten bei der Wortwahl: Adjektive (was und wie wird etwas be-schrieben), Substantive, Wortarten und ihre Deutung 
  • Wie vermittelt der Autor seine Intention auf sprachlicher Weise

 

Sprachstil

Der Sprachstil ist beschreibt den sprachlichen Ausdruck eines Autors. Die Situation, der Zustand des Autors oder Inhalt des Textes nehmen Einfluss auf die Wahl des Sprachstils. 

1. Sachlicher Stil:

  • Beschreibend und objektiv 
  • Keine eigene Meinung
  • Keine Emotionen
  • Keine Wertungen
  • Keine wörtliche Rede
  • Keine Stilmittel

2. Emotionaler Stil:

  • Eigene Gefühle und subjektiv
  • Eigene Meinung
  • Emotionen
  • Wertungen 
  • Wörtliche Rede und viele Adjektive
  • Stilmittel werden verwendet 

 

Wortfelder

Wortfelder sind Wörter, die eine ähnliche Bedeutung haben. Wortfelder sind somit Synonyme. Die Wortfelder können untereinander ausgetauscht werden, ohne dass der Sinn verändert wird.

Beispiel: 

Verb: sagen

  • Reden
  • Sprechen
  • Kommunizieren
  • Sich äußern 
  • Labern 
  • Schwätzen

Die Analyse der Wortfelder kann helfen, den Text und die Intention des Autors bes-ser zu verstehen, da er etwas durch Wortfelder fokussiert. 

 

Stilmittel

Die Nutzung von Stilmitteln verstärken die Wirkung eines Textes. Gleichzeitig vermit-teln Stilmittel Emotionen und unterstreichen die Aussagen. Die Texte sind durch Stilmittel lebhafter zu lesen. 

 

Interpretation

In der gesamten Interpretation deutest du alles was der Text von sich gibt. Wie in den Kapiteln davor geht man auf die Sprache, den Inhalt und die Intention des Au-tors ein um den Text vollständig und richtig zu interpretieren. 

 

Intention

Die Intention eines Textes ist die Absicht des Autors einen Grundgedanken zu ver-mitteln. Intention auf Deutsch bedeutet Absicht. Der Autor will durch seinen Text eine Botschaft an den Leser mitgeben und die Leser zum Nachdenken bringen. Diese Intention ist im Inhalt, Stil und Aufbau versteckt. Oft erkennt der Leser die Intention nicht nur durch das Lesen des Textes, sondern erst mit der Analyse der Sprache, dem Inhalt und den Stilmitteln. 

 

Epochentypisch oder nicht?

Die literarische Epoche gibt meistens oft Hinweise auf die Intention des Autors. Die Lebenssituation und die Bedingungen der jeweiligen Epoche spiegeln den Inhalt des Textes wider. Es kann auch vorkommen, dass die Texte nicht typisch für die jeweilige Literatur sind. Ob ein Text epochentypisch ist oder nicht fließt auch in die Analyse mit ein. 
Im Kapitel Literaturepochen findest du alle Epochen im Überblick

 

Schlussteil

  • Thema abrunden.
  • Eigene Stellungnahme/Persönliche Meinung
  • Hat das Thema in unserer heutigen Zeit bzw. in unserer Gesellschaft noch ei-ne Bedeutung. Welche Bedeutung?
  • Gibt es noch offene Fragen?
  • Fazit

 

Zusammenfassung / Fazit

Am Ende einer Analyse oder Interpretation gibst du eine kurze Zusammenfassung wieder. Hier kannst auf deine Hypothese eingehen, die du bereits in der Einleitung gemacht hast und deine Hypothese bestätigen oder erwidern (Die Interpretations-hypothese beschreibst du, deine erste Vermutung über die Intention des Autors nachdem du den Text durchgelesen hast). Bei Bedarf kannst du deine eigene Meinung zum Text schreiben. Zusätzlich ist auch im Schlussteil die Intention des Autos in Bezug auf den Inhalt, Epoche und Stil äußerst wichtig. 

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